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Aus der Praxis: Zuwanderer und eine Lehrkraft erzählen

Hier berichtet eine Lehrkraft in Integrationskursen aus der Praxis und Zuwanderer machen mit ihrer ganz persönlichen Integrationsgeschichte Mut, einen Integrationskurs zu besuchen.

Tatyana Smerichinskaya (41)

Tatyana SmerichinskayaQuelle: SFZ Sehzentrum Berlin

Herkunftsland:
Russland

Ich komme aus einem kleinen Dorf in Sibirien und bin seit dem Jahr 2005 in Deutschland. Da mein Vater und mein Großvater Russlanddeutsche sind, hatte ich schon als Kind Kontakt zur deutschen Sprache. Aber erst als sich meine Familie entschlossen hat, nach Deutschland auszureisen, habe ich wirklich damit begonnen, mir selbst Deutsch beizubringen. Zuerst habe ich einen normalen Integrationskurs besucht. Dort hatte ich wegen meiner Sehbehinderung jedoch Schwierigkeiten, den Übungen zum Leseverstehen und Schreiben zu folgen. Deshalb habe ich an einem Spezialkurs für Blinde und Sehbehinderte am SFZ Sehzentrum Berlin teilgenommen. Dank einer Sondergenehmigung des BAMF können blinde und sehbehinderte Migranten hier sehr individuell gefördert werden. Ich arbeitete an einem Computer mit Lesegerät, an dem ich Papiervorlagen und digitale Texte vergrößern und schriftliche Aufgaben erledigen konnte.

In Kürze werde ich eine blindentechnische Grundausbildung am SFZ Sehzentrum Berlin beginnen, um mich auf eine betriebliche Ausbildung vorzubereiten.


Florinda Lino-Hanemann (43)

Herkunftsland:
Mosambik

Am 19.6.1986 bin ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen – damals noch in die DDR. Ich habe in einer Textilfabrik gearbeitet. Als die Mauer fiel, musste ich zunächst zurück nach Mosambik. Zwei Jahre später habe ich dann einen deutschen Mann geheiratet und bin mit ihm zurück nach Berlin gegangen. Ich mag Deutschland sehr. Es ist für mich zu einer echten Heimat geworden. Ich habe auch keine Probleme mit Deutschen in Kontakt zu kommen und verstehe mich mit fast allen.

Ein bisschen Deutsch habe ich schon in der DDR gelernt. Allerdings war der Kurs damals nicht so gut, wie der den ich zur Zeit besuche. Jetzt lernen wir viel mehr, auch richtig praktische Dinge, die man wirklich für die Arbeit braucht. Das hilft mir sehr. Schade nur, dass der Kurs so bald zu Ende ist.


Elisa Starda (29)

Elisa StardaQuelle: Marion Vogel

Herkunftsland:
Italien

Ich habe den besten Integrationskurs gefunden. Hier lerne ich nicht nur Deutsch, die Mitarbeiter helfen mir auch bei allen anderen Fragen und Problemen. Ich lebe seit fast neun Jahren in Deutschland.

In der ersten Zeit hatte ich beinahe nur mit Italienern zu tun und habe deshalb überhaupt kein Deutsch gelernt. Das möchte ich jetzt ändern. Zuerst mache ich das Zertifikat Deutsch und danach weiter. Natürlich war der Kurs am Anfang schwer, aber jetzt fühle ich mich sehr wohl und bin sogar die Beste in meiner Klasse.


Sharif Wardak (32)

Herkunftsland:
Afghanistan

Seit sechs Monaten lebe ich im Deutschland. Von meiner Familie habe ich von den Integrationskursen erfahren. Deshalb hatte ich schon zwei Wochen nach meiner Ankunft meine erste Deutschstunde. Bevor ich nach Deutschland gekommen bin habe ich in London gelebt. Deshalb habe ich oft noch englische Worte im Kopf. Das ist manchmal sehr schwierig. Aber mein Integrationskurs ist sehr gut und ich möchte auf jeden Fall Deutsch lernen.

Ich bin Koch und wünsche mir auch in Deutschland in meinem Beruf arbeiten zu können.


Olivia Braunschweig (41)

Olivia BraunschweigQuelle: Marion Vogel

Herkunftsland:
Deutschland,
Lehrerin im Integrationskurs

Ich arbeite seit neun Jahren als Lehrkraft im Integrationskurs und kann sagen: Es ist mein Traumberuf. Das Schöne ist, dass in Integrationskursen nicht nur die Sprache vermittelt wird, sondern auch multikulturelle und soziale Aspekte dazu kommen. Die Schüler lernen von mir nicht nur die Sprache, sondern auch viel über die deutsche Kultur. Gleichzeitig lerne ich viel über die anderen Kulturen. Das bedeutet, dass man besser auf die anderen Kulturen eingehen kann, je länger man den Beruf ausübt. Der Integrationskurs ist also keine Einbahnstraße. Beide Seiten profitieren davon. Es ist faszinierend zu sehen, wie Schüler ohne Deutschkenntnisse sich innerhalb von relativ kurzer Zeit sehr gut auf Deutsch verständigen können.

Schade ist nur, dass uns so wenig Zeit zur Verfügung steht. Wenn wir mehr Stunden hätten, könnten wir besser auf die Anforderungen im deutschen Alltag eingehen.


Agbassaoü Zangaba (23)

Agbassaoü ZangabaQuelle: Marion Vogel

Herkunftsland:
Togo

Ich besuche seit September einen Integrationskurs, mittlerweile bin ich in Modul 4. Angemeldet habe ich mich, weil ich unbedingt gut Deutsch sprechen möchte. Das ist schließlich auch wichtig für meine Kinder. Wenn die beiden in die Schule kommen, sollte auch ihre Mama gut Deutsch sprechen, um sich mit den Lehrern unterhalten und bei den Hausaufgaben helfen zu können. Schon jetzt brauche ich die Sprache jeden Tag, zum Beispiel wenn ich einkaufen gehe. Ich war sehr froh, dass mein Kursträger eine Kinderbetreuung anbietet.

Wenn während des Unterrichts niemand auf meine Mädchen aufpassen würde, hätte ich den Kurs nicht machen können.


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