Muslime in Europa
Die Globalisierung hat den Islam zu einer weltumspannenden Religion gemacht. Rund 15 Millionen Muslime leben in Europa, davon zwischen 11 und 12 Millionen in Westeuropa (knapp 3 Prozent der Gesamtbevölkerung). In vielen europäischen Ländern sind die Muslime nach den Christen die zweitgrößte religiöse Gruppen. Das stellt sowohl die Muslime als auch die Länder, in denen sie leben, vor neue Herausforderungen.
Die Zahl der Muslime in Europa kann, ebenso wie die der Muslime in Deutschland, aufgrund fehlender gesicherter Daten nur geschätzt werden. Hierzu werden in der Regel statistische Angaben über ausländische Staatsangehörige aus, oder Geburtsorte in, mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern herangezogen.
Herkunftsländer und Glaubensrichtungen
Die meisten Muslime in Europa stammen (ursprünglich) aus Asien, Nordafrika und dem Nahen Osten. Wichtige Herkunftsländer sind die Maghrebstaaten (33,6 %), die Türkei (28,3 %) und der indische Subkontinent (12,0 %). Welche Nationalitäten und Glaubensrichtungen (z.B. Sunniten, Schiiten, Aleviten) in einem Land dominieren, ist vor allem historisch-politisch, oft durch die Kolonialgeschichte der Länder, bedingt.
So haben etwa die rund zwei Millionen Muslime (ca. 3 % der Gesamtbevölkerung) in Großbritannien ihre Wurzeln meist in Indien, Pakistan und Bangladesch.
Die vier bis sechs Millionen Muslime, die in Frankreich leben, stammen dagegen vorwiegend aus Algerien, Marokko, Tunesien und der Türkei.
In den Niederlanden liegt die Zahl der Muslime bei etwa 6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie kommen vor allem aus Marokko und der Türkei. Daneben gibt es allerdings eine große Zahl von Muslimen aus anderen Ländern, zum Beispiel. Surinam und Indonesien.
Integration der muslimischen Bevölkerung
Als Indikatoren für die verschiedenen Ebenen der Integration gelten unter anderem die staatsbürgerliche und die soziale Stellung der muslimischen Bevölkerung, ihre politische Repräsentanz und das Verhältnis von Religionsgemeinschaft und Staat.
Insbesondere die rechtliche Stellung des Islams als Religion und damit auch die Integration der muslimischen Bevölkerung sind von Land zu Land verschieden.
Gemeinsam ist der Situation vieler Muslime in der EU, dass der Islam nach den terroristischen Anschlägen in den USA, in Madrid und London zunehmend mit Gewalt und Terrorismus in Verbindung gebracht wurde und sich das gesellschaftliche Klima ihnen gegenüber verschlechtert hat.
In den letzten Jahren haben viele nationale Regierungen jedoch ihre Bemühungen um die Integration von Muslimen verstärkt, indem sie vor allem den kontinuierlichen Dialog mit der muslimischen Bevölkerung suchen. Der Dialog mit den Muslimen und ihre Integration werden von vielen EU-Ländern heute als Möglichkeit erkannt, ein friedliches Zusammenleben zu sichern und Gewalt vorzubeugen.
Mehr zur Integration der muslimischen Bevölkerung in Europa:
- Muslime in der Europäischen Union /von Sabine Riedel, SWP-Studie, April 2005
- Situation der islamischen Gemeinden in fünf europäischen Städten / von Yvonne Bemelmans, Maria José Freitas, 2001
- Muslims in the European Union / EUMC-Studie, 2006



